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Nach 55 Minuten kam großer Frust | Drucken |
Geschrieben von Kieler Nachrichten / Ralf Abratis   
14.02.2011 | 19:42
rasmus_gersch.jpgNach 55 Minuten kam großer Frust

Altenholz unterlag GWD 29:31 – Gersch mit Fingerbruch

Altenholz. Ach, könnte ein Handball-Spiel doch nach 55 Minuten enden! Es wäre am Sonnabend ein großartiges Handball-Fest in der Edgar-Meschkat-Halle, ein umjubelter Sieg für den Zweitligisten TSV Altenholz geworden. So aber erlebten die 450 Zuschauer eine hochdramatische Endphase, eine unglückliche und unverdiente 29:31 (16:14)-Niederlage gegen den Tabellenführer GWD Minden und die tragische Verletzung von Spielmacher Rasmus Gersch, der mit einem Fingerbruch mehrere Wochen ausfallen wird.

Von Ralf Abratis Von Beginn an agierten die Altenholzer auf höchstem Niveau, zeigten trotz Personalnot gegen den hohen Favoriten aus Minden keinerlei Respekt. Sie packten in der Abwehr konsequent zu, kämpften im Aufbau und Angriff um jeden, manchmal bereits verloren geglaubten Ball und spielten geduldig ihre Angriffe aus. Der Spitzenreiter wirkte in der ersten Hälfte völlig verunsichert, bedingt auch durch drei Zwei-Minuten-Strafen in der ersten Viertelstunde. Das Team von Torge Greve nutzte die Gunst der Stunde, zog bis auf vier Tore davon (15:11, 27.), vor allem weil Torben Plöhn mit traumwandlerischer Sicherheit von Linksaußen seine Bälle im Tor unterbrachte und auch Tom Wetzel einen Glanztag im Angriff erwischte. Auch nach dem Wechsel schienen sich die Hausherren nicht von der Erfolgsspur abbringen zu lassen, selbst dann nicht, als Minden zwischenzeitlich (24:25, 48.) vorbeigezogen waren. Spätestens beim 27:25 (52.) glaubte die gesamte Halle an eine mögliche Sensation, puschten die Zuschauer ihr Team mit rhythmischem Klatschen nach vorn. „Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, sie hat wirklich alle Tugenden gezeigt, die Handball ausmachen. Mit dieser Leistung muss uns vor keinem Gegner bange sein“, sagte Torge Greve. Seine Worte nach dem Spiel waren voller Lob, seine Stimme indes spiegelte Resignation wider. Denn innerhalb der letzten fünf Minuten wurde alles eingerissen, was zuvor aufgebaut worden war. Auch weil sich das unsichere Schiedsrichter-Gespann Hohlwein/ Michalzik offenbar dazu entschied, die Bilanz der Zwei-Minuten- Strafen zum Spielende hin noch ausgleichen zu wollen. Ausgerechnet Tom Wetzel schickten sie dreieinhalb Minuten vor Spielende in umstrittener Weise beim Stand von 28:28 auf die Bank. Es passte ins Geschehen. Denn auch Spielmacher Rasmus Gersch fehlte den Hausherren ausgerechnet in dieser wichtigen Phase. Beim Wurfversuch fünf Minuten vor Spielende war er am gegnerischen Arm mit dem Zeigefinger hängen geblieben. Die Hoffnungen auf lediglich eine Kapseldehnung bestätigten sich nicht, Gersch musste aufgeben. Später wurde ein komplizierter Bruch des rechten Zeigefingers diagnostiziert. Sechs bis acht Wochen Ausfall drohen. Eine erfahrene Mannschaft wie Minden ließ sich diese Chance nicht entgehen, innerhalb von eineinhalb Minuten zog sie auf 31:28 davon. Eine Minute vor Spielende war die Partie entschieden, und die Mindener Erleichterung entlud sich nach dem Schlusspfiff in einem kollektiven Jubeltänzchen. „Das war sicherlich sehr glücklich. Wir haben darauf gesetzt, dass Altenholz irgendwann die Kraft ausgehen würde“, sagte Gäste-Trainer Ulf Schefvert, während die Altenholzer die Köpfe hängen ließen. „Wir haben die Woche sehr gut trainiert und gedacht, dass etwas möglich sein würde. Wenn man dann so lange führt und doch noch verliert, ist das sehr frustrierend“, stellte Tom Wetzel fest. Wenig später gab Zweitligist HC Empor Rostock die Verpflichtung des 19- jährigen gebürtigen Rostockers zur neuen Saison bekannt. Der Junioren- Nationalspieler hat beim HC einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

TSV Altenholz: R. Wetzel (1.-60. Minute, 13 Paraden), Hossner (bei Siebenmeter) – Calvert (3), Opderbeck (3), Schwarz (3), Weltgen (2/2), Plöhn (6), T. Wetzel (8), Plähn (n.e.), Bente, Gersch (3), Greve (1).
GWD Minden: Persson (1.-40. Min., 9 Paraden), Dresrüsse (41.-60. Min., 9 Paraden) – Andersson (8), Fuchs (n.e.), Gylfason (3), Bartsch (2/2), Auerswald (n.e.), Steinert (1), Helmdach (5), Hunady (4), Südmeier, Schmidt (1/1), Doder (6), Klesniks (1).
Schiedsrichter: Hohlwein/Michalzik (Hamburg/ Nübel) – Zwei-Minuten-Strafen: Altenholz 5 (Opderbeck 2x, Schwarz, Plöhn, Wetzel), Minden 5 (Andersson 2x, Hunady, Doder, Klesniks), Siebenmeter: Altenholz 3/2 (Gersch verwirft), 4/3 (Bartsch scheitert einmal an Wetzel) – Zuschauer: 450 – Spielfilm: 0:1, 3:2, 3:4, 6:5 (14.), 10:8, 15:11, 16:12, 16:14 (30.), 17:17, 21:19, 23:21 (42.), 24:25, 27:25, 27:28, 29:31 (60.)

Kieler Nachrichten
www.kn-epaper.de
 

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